Marchtrenk gehört zu den Gemeinden im Bezirk Wels-Land, die in den letzten zwölf Jahren am stärksten zugelegt haben. Wer den Ort dabei auf seine Lage zwischen Linz und Wels reduziert, macht es sich zu einfach: Marchtrenk ist die zehntgrößte Kommune Oberösterreichs, größer als fast jede Bezirkshauptstadt der Region, und hat mit rund 4.000 Arbeitsplätzen einen eigenen Arbeitsmarkt. Die gute Anbindung kommt dazu, sie ersetzt aber nicht die Stadt.

Marchtrenk – auf einen Blick

Einwohner: knapp 15.000, zehntgrößte Kommune Oberösterreichs Eigener Arbeitsmarkt: rund 510 Betriebe mit etwa 4.000 Arbeitsplätzen Größter Wachstumstreiber: TGW Logistics baut das Headquarter um 150 Mio. € aus, Bürofläche verdoppelt sich bis 2028 Baugrund 2026: 230 bis 390 €/m² für Ein- und Zweifamilienhausgründe Entwicklung seit 2014: von 130 bis 180 €/m², also nahezu eine Verdoppelung Trend: neun Jahre stark steigend, 2026 erstmals nur noch leicht steigend Bahn: eigener Bahnhof an der Westbahn, Regionalzüge mehrmals stündlich nach Linz und Wels Im Bau: viergleisiger Ausbau der Westbahn, Abschnitt Marchtrenk–Wels seit 2021 Autobahn: direkter Anschluss an die A25 Beschlossen: vierstreifiger Ausbau der B1, Verfahren läuft Vereinsleben: 71 Vereine, davon 11 Sportvereine, Stadtfest seit 15 Jahren

Die Preisentwicklung in Zahlen

JahrBaugrund in €/m²Trend
2014130–180leicht steigend
2017130–200stark steigend
2020170–280stark steigend
2023190–390stark steigend
2025230–390stark steigend
2026230–390leicht steigend

Zwei Dinge fallen daran auf.

Der Sprung ab 2017. Bis dahin bewegte sich Marchtrenk seitwärts. Ab 2017 wechselt der Trend auf stark steigend und bleibt dort neun Jahre lang. Das ist ungewöhnlich lange, auch im Vergleich zu anderen Gemeinden im Bezirk.

Die Spreizung nach oben. Die Untergrenze stieg von 130 auf 230 Euro, die Obergrenze von 180 auf 390. Der Abstand zwischen einfacher und guter Lage hat sich also mehr als verdoppelt. Genau das passiert, wenn eine Gemeinde von Zuzug erfasst wird: Zuerst ziehen die besten Lagen an, dann folgt der Rest.

Und 2026 zum ersten Mal seit 2017 nur noch leicht steigend. Das ist kein Einbruch, die Bandbreite bleibt unverändert. Aber die Dynamik lässt nach, und das passt zum Gesamtbild in Oberösterreich, wo der Anteil der stark steigenden Gemeinden seit 2024 zurückgeht. Wie sich das entwickelt hat, steht im Beitrag Baugrundpreise in Oberösterreich.

Marchtrenk ist keine Schlafstadt

Das ist der Punkt, der in Vergleichslisten regelmäßig untergeht und den Einheimische zu Recht anders sehen.

Ein eigener Arbeitsmarkt. Rund 510 Betriebe aus Dienstleistung, Handel, Gewerbe und Industrie stellen etwa 4.000 Arbeitsplätze. Bei knapp 15.000 Einwohnern heißt das: Ein erheblicher Teil der Menschen, die hier wohnen, pendelt gar nicht, und dazu kommen Einpendler von außerhalb. Wer Marchtrenk als Vorort beschreibt, beschreibt einen anderen Ort.

Und dieser Arbeitsmarkt wächst gerade kräftig. TGW Logistics hat den Firmensitz in Marchtrenk und baut ihn um insgesamt 150 Millionen Euro aus. Rund 100 Millionen sind bereits verbaut: eine Produktionshalle mit 16.000 Quadratmetern, größer als zwei Fußballfelder, dazu ein automatisches Lager mit 60.000 Lagerplätzen, beides in Betrieb. Weitere 50 Millionen fließen bis Anfang 2028 in das Bürogebäude, das auf die doppelte Fläche wächst: 14.000 Quadratmeter für mehr als 400 Beschäftigte. An den Standorten Marchtrenk und Wels fertigen rund 700 Fachkräfte etwa 90 Prozent der mechatronischen Module, die weltweit in TGW-Logistikzentren stecken.

Zehntgrößte Kommune Oberösterreichs. Marchtrenk ist größer als fast jede Bezirkshauptstadt in der Umgebung. Das schlägt sich in der Ausstattung nieder, und zwar in genau den Dingen, die im Alltag zählen: zwei Volksschulen, zwei Mittelschulen, eine Polytechnische Schule, sechs Kindergärten, zwei Kinderbetreuungseinrichtungen, eine Landesmusikschule und ein Jugendzentrum.

Freizeit vor Ort statt Anfahrt. Eishalle, Bad und der 4-Seasons-Park liegen im Ort. Das ist der Unterschied zwischen einer Gemeinde, in der man für jede Aktivität ins Auto steigt, und einer, in der die Kinder allein hinkommen.

71 Vereine, davon 11 Sportvereine. Diese Zahl sagt mehr über die Lebensqualität aus als jede Preisstatistik. Dazu ein Stadtfest, das 2026 zum fünfzehnten Mal stattfand, mit eigenem Marchtrenker Bier, und Kulturräume, die ein ganzjähriges Programm tragen. Wer zuzieht, findet einen Anschluss, und genau danach fragen Familien bei Besichtigungen häufiger als nach dem Quadratmeterpreis.

Warum die Nachfrage so hoch ist

Drei Arbeitsmärkte statt einem. Zum eigenen kommen Wels und Linz, beide gleichermaßen erreichbar. Für Paare, bei denen einer in Linz und der andere in Wels arbeitet, ist das die naheliegende Lösung, und diese Konstellation ist im Zentralraum häufig. Umland-Gemeinden, die nur zu einer Stadt eine gute Verbindung haben, konkurrieren um eine kleinere Zielgruppe.

Die Bahn, nicht die Straße. Marchtrenk hat einen eigenen Bahnhof an der Westbahn, mit Regionalzügen mehrmals pro Stunde in beide Richtungen. Das macht Pendeln ohne Zweitauto realistisch, und in einer Zeit, in der ein zweites Auto samt Betrieb spürbar ins Haushaltsbudget schlägt, ist das ein handfestes Argument. Dazu kommt der direkte Anschluss an die A25.

Der Ausbau ist noch nicht fertig. Die Westbahn wird zwischen Linz und Wels auf vier Gleise erweitert. Der Abschnitt zwischen Marchtrenk und Wels ist seit 2021 in Bau, der 16 Kilometer lange Abschnitt Linz–Marchtrenk folgt. Viergleisig heißt in der Praxis: Fern- und Nahverkehr behindern einander nicht mehr, dichtere Takte werden möglich. Für die Bewertung einer Gemeinde ist das etwas anderes als eine Straßenverbesserung, weil sich der Effekt nicht mit dem Verkehrsaufkommen wieder auffrisst.

Die B1 wird vierspurig. Neben der Bahn steht das zweite große Infrastrukturprojekt an. Die B1 Wiener Straße ist eine der meistbefahrenen Landesstraßen Oberösterreichs, und ein Abschnitt von rund fünf Kilometern zwischen Linz und Wels ist noch zweispurig. Land und Stadtgemeinde haben sich 2020 grundsätzlich auf den vierstreifigen Ausbau geeinigt, danach wurde jahrelang über die Kreuzungen verhandelt. Diese Frage ist inzwischen geklärt, die Kreuzung Neufahrnerstraße kommt als niveaugleiche Ampelkreuzung.

Ehrlich dazu gehört: Es ist beschlossen, aber nicht gebaut. Nach dem Beschluss des Begleitstraßenkonzepts folgen die Umweltverträglichkeitserklärung und das UVP-Verfahren, und erst danach kann umgesetzt werden. Ein Termin steht nicht fest. Für die Bewertung heißt das: Der Ausbau ist ein Argument für die mittelfristige Entwicklung des Standorts, aber keines, mit dem man heute einen Aufschlag begründen kann.

Verfügbarkeit. Marchtrenk hat in den letzten Jahren mehr Bauland mobilisiert als manche Nachbargemeinde. Das erklärt, warum die Preise trotz starker Nachfrage nicht noch weiter gestiegen sind. Wer einen Grund sucht, hat hier realistischere Chancen als etwa in Weißkirchen, wo das Angebot deutlich enger ist.

Aus der Praxis

Ein häufiger Denkfehler beim Vergleich von Umlandgemeinden: Der Quadratmeterpreis allein sagt nichts über die Verfügbarkeit. In Marchtrenk kostet der Grund mehr als in mancher Gemeinde weiter draußen, dafür bekommt man überhaupt einen. Wenn Sie zwischen zwei Orten schwanken, fragen Sie neben dem Preis auch danach, wie viele Baugründe dort in den letzten zwölf Monaten tatsächlich den Eigentümer gewechselt haben. Ein hoher Preis bei laufendem Angebot ist ein besseres Zeichen als ein niedriger Preis, zu dem nie etwas verfügbar ist.

Was das für Verkäufer bedeutet

Die Käuferschicht kommt aus zwei Richtungen. Unterschätzen Sie die Linzer Interessenten nicht. Ein erheblicher Teil der Nachfrage für Objekte in Marchtrenk kommt aus dem Linzer Raum und vergleicht nicht mit Wels, sondern mit Leonding oder Pasching, wo die Preise deutlich höher liegen. Für diese Käufer löst Marchtrenk ein Budgetproblem. Ein Exposé, das nur die Nähe zu Wels herausstreicht, verschenkt diese Gruppe. Die Vergleichszahlen stehen im Beitrag Grundstückspreise Linz und Linz-Land.

Die Bandbreite ist groß, die Lage entscheidet. Zwischen 230 und 390 Euro liegen bei einem 700-Quadratmeter-Grundstück über 100.000 Euro. Wo genau ein Objekt in dieser Spanne steht, hängt an Zuschnitt, Bahnhofsnähe, Bebauungsplan und Nachbarschaft. Das lässt sich nicht aus der Statistik ableiten, dafür braucht es den Blick vor Ort.

Die Nachfrage hat ein Fundament, das über den Zyklus hinausreicht. Ein Unternehmen, das 150 Millionen Euro an einem Standort verbaut und die Bürofläche bis 2028 verdoppelt, plant dort in Jahrzehnten. Für die Einschätzung eines Wohnstandorts ist das belastbarer als jede Preisprognose: Über 400 zusätzliche Büroarbeitsplätze in einer Stadt mit knapp 15.000 Einwohnern erzeugen Wohnbedarf, und zwar unabhängig davon, wie sich die Zinsen entwickeln.

Der Trendwechsel 2026 ist ein Signal, kein Alarm. Nach neun Jahren starkem Anstieg auf leicht steigend zu wechseln, heißt nicht, dass die Preise fallen. Es heißt, dass die Jahre der automatischen Wertsteigerung vorbei sind. Wer verkaufen will, sollte nicht mehr darauf setzen, dass ein weiteres Jahr Wartezeit den Preis macht.

Wie das übrige Umland dasteht, zeigt der Beitrag Grundstückspreise Wels-Land.

Methodik

Die genannten Bandbreiten sind eigene Werte der CE Immo Group. Sie beruhen auf drei Quellen: unseren eigenen Transaktionen und der laufenden Marktbeobachtung im Zentralraum, veröffentlichten Preisübersichten, und den im Grundbuch ersichtlichen Kaufpreisen. Wo unsere Praxis von veröffentlichten Werten abweicht, folgen wir unserer Praxis. Die Angaben gelten für Baugründe für Ein- und Zweifamilienhäuser und sind Orientierungswerte, keine Bewertung eines konkreten Objekts.

Ing. Christoph Eiber, MBA
Ing. Christoph Eiber, MBA
Geschäftsführer der CE Immo Group GmbH, Akademischer Immobilienmanager

Christoph Eiber führt die CE Immo Group in Wels und ist seit über 18 Jahren in der Immobilienvermittlung und Projektentwicklung in Oberösterreich tätig. Er bewertet und vermarktet Wohnungen, Häuser, Grundstücke und Zinshäuser im Zentralraum Wels–Linz.

Stand: 2. August 2026. Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und gibt die Rechtslage zum genannten Stand wieder. Gesetze, Verordnungen und Rechtsprechung ändern sich. Für Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Haftung übernommen. Der Beitrag ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Was kostet ein Baugrund in Marchtrenk?

2026 liegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhausgründe bei rund 230 bis 390 Euro pro Quadratmeter. Wo ein konkretes Grundstück in dieser Spanne steht, hängt an Lage im Ort, Zuschnitt, Bebauungsplan und Aufschließung. Für Bauträgergrundstücke im verdichteten Wohnbau gelten diese Werte nicht, dort wird nach erzielbarer Wohnnutzfläche gerechnet.

Warum sind die Preise in Marchtrenk so stark gestiegen?

Wegen der Lage zwischen Linz und Wels. Wer dort wohnt, hat zwei Arbeitsmärkte in Reichweite statt einem. Dazu kommt der eigene Bahnhof an der Westbahn mit dichtem Regionalverkehr in beide Richtungen, der Pendeln ohne Zweitauto ermöglicht, und der Anschluss an die A25. Seit 2017 wurde die Gemeinde durchgehend als stark steigend eingestuft.

Ist Marchtrenk nur eine Pendlergemeinde?

Nein. Marchtrenk ist die zehntgrößte Kommune Oberösterreichs und größer als fast jede Bezirkshauptstadt der Region. Rund 510 Betriebe stellen etwa 4.000 Arbeitsplätze, es gibt ein vollständiges Schul- und Betreuungsangebot bis zur Polytechnischen Schule, eine Landesmusikschule, Eishalle, Bad und 4-Seasons-Park sowie 71 Vereine. Die gute Anbindung nach Linz und Wels kommt dazu, sie ist aber nicht der einzige Grund, dort zu wohnen.

Welche großen Arbeitgeber gibt es in Marchtrenk?

Der bekannteste ist TGW Logistics, dessen Firmenzentrale in Marchtrenk steht. Das Unternehmen investiert 150 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts. Eine 16.000 Quadratmeter große Produktionshalle und ein automatisches Lager mit 60.000 Lagerplätzen sind bereits in Betrieb, bis Anfang 2028 folgt die Verdoppelung des Bürogebäudes auf 14.000 Quadratmeter für mehr als 400 Beschäftigte. Marchtrenk zählt rund 510 Betriebe mit etwa 4.000 Arbeitsplätzen.

Was ist mit dem Ausbau der B1?

Der vierstreifige Ausbau ist zwischen Land Oberösterreich und Stadtgemeinde vereinbart, auch die lange strittige Kreuzungsgestaltung ist geklärt. Vor der Umsetzung stehen aber noch die Umweltverträglichkeitserklärung und das UVP-Verfahren, ein Baubeginn ist nicht terminisiert. Als Käufer sollten Sie den Ausbau als mittelfristige Perspektive einordnen, nicht als sichere Größe für die nächsten Jahre.

Lohnt sich Marchtrenk noch als Wohnort?

Als Wohnort ja, die Gründe dafür bestehen unverändert und der viergleisige Bahnausbau verstärkt sie noch. Als reines Wertsteigerungsobjekt sollte man vorsichtiger rechnen: 2026 wechselte der Trend erstmals seit neun Jahren von stark steigend auf leicht steigend. Die Jahre, in denen der Preis von allein gestiegen ist, sind vorerst vorbei.

Wie gut ist Marchtrenk an Linz angebunden?

Über die Westbahn mit Regionalzügen mehrmals pro Stunde und über die A25. Die Westbahn zwischen Linz und Wels wird derzeit auf vier Gleise ausgebaut, der Abschnitt Marchtrenk–Wels ist seit 2021 in Arbeit. Damit werden dichtere Takte möglich, weil sich Fern- und Nahverkehr nicht mehr gegenseitig behindern.

Bekommt man in Marchtrenk überhaupt noch Baugrund?

Leichter als in vielen Nachbargemeinden. Marchtrenk hat in den letzten Jahren vergleichsweise viel Bauland mobilisiert, was auch erklärt, warum die Preise trotz starker Nachfrage nicht noch weiter gestiegen sind. In Gemeinden wie Weißkirchen an der Traun ist die Verfügbarkeit deutlich enger, obwohl der Quadratmeterpreis dort niedriger liegt.

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